Der Kleine Weg
“Mein Weg zu Gott ist Liebe, Hingabe und Vertrauen.”
“Klein sein heißt auch, nicht die Tugenden, die man übt, sich selber zuschreiben, nicht sich selber zu irgend etwas fähig halten, sondern anerkennen, dass der liebe Gott diesen Schatz in die Hand seines kleinen Kindes legt, damit es ihn benützt, wenn es ihn braucht; aber der Schatz gehört immer dem lieben Gott.” (Letzte Gespräche (= LG) 152).
Aus dem Originalton Thereses hören wir, dass der Kleine Weg zu Gott eine Spiritualität des Alltags ist. Ihr Kleiner Weg war auch der Grund ihrer Heiligsprechung (1925) und der Aufnahme in die Reihe der drei weiblichen Kirchenlehrerinnen (1997), neben Teresa von Avila und Katharina von Siena.
Im Studium der Hl. Schrift und im betenden Nachdenken entdeckte Therese die Mosaiksteine des Kleinen Weges:
- Mich selbst größer zu machen ist unmöglich! Ich muss mich ertragen wie ich bin.
- Es ist gar nicht nötig – und möglich, durch mein eigenes Bemühen wachsen zu wollen.
- Jesus verlangt von mir keine großen Taten, sondern nur Hingabe und Dankbarkeit.
- Ich zeige Gott meine Liebe indem ich mich – aus Liebe zu ihm – auch in kleinen Dingen überwinde.
- Ich lasse mich wegen meiner Fehler nicht entmutigen.
Kurz vor ihrem Tod sprach Therese eindringlich über ihre Sendung: “Ich will die Menschen lehren, Gott so zu lieben, wie ich ihn liebe und ihnen meinen kleinen Weg geben. Ja, ich will meinen Himmel damit verbringen, auf Erden Gutes zu tun.” (LG 110).
Der Kleine Weg – auch für mich?
Bis auf den heutigen Tag gehen Millionen von Menschen in aller Welt den “Kleinen Weg”. Sie versuchen, die Aufgaben des Alltags in Liebe zu erfüllen, denn: “Vor Gott zählt nicht der Verdienst, sondern allein die Liebe.” (vgl. CS 64f.) Anstelle hochfliegender Pläne für morgen, soll ich das Heute verwirklichen, d.h. was diese Stunde und Minute von mir verlangt:
- Durch ein Lächeln…
- Durch ein Wort, das ich nicht sage, obwohl es mir auf der Zunge brennt…
- Durch einen kleinen Verzicht…
- Indem ich einen unangenehmen Menschen bewusst ertrage…
- Indem ich eine lästige Arbeit nicht aufschiebe…
- Indem ich ein Gebet geduldig zu Ende führe…
Durch die kleinen Handlungen aus Liebe bleibe ich in lebendiger Verbindung zu Gott. Therese vergleicht sie mit Strohhalmen, die dem Feuer der Gottesliebe immer wieder neu Nahrung geben. Das einzige , was der Kleine Weg verlangt, ist Ausdauer – ein Leben lang. Dabei dürfen wir vertrauen: Der, der uns die Gnade des Anfangs gibt, ist treu und wird uns helfen, den einmal eingeschlagenen Weg auch zu vollenden.
