„Und der gute heilige Josef: Wie sehr liebe ich ihn!“

 

(aus: Therese de Lisieux, La revue du Sanctuaire, März 2021)

 

von P. Patrick Lemoine

 

Unser Papst Franziskus hat dieses Jahr unter die Fürsprache des heiligen Josef gestellt; daher ist es gut, auf ihn zu schauen. Der heilige Josef ist ein Mann des Glaubens, der Tat und der Stille. Es gibt kein einziges Wort von ihm im Evangelium. Aber er glaubt an das Wort Gottes und handelt im Gehorsam des Glaubens gegenüber dem Wort Gottes. Wir sehen dies im Evangelium bei mehreren Gelegenheiten.

Verständlicherweise ist er fassungslos, als er entdeckt, dass seine Frau schwanger ist, dennoch zweifelt er nicht an Marias Rechtschaffenheit. Er ringt, und der Engel des Herrn kommt, um ihm das Geheimnis der Menschwerdung zu verkünden: Maria ist auserwählt worden, die Mutter des verheißenen Erlösers zu sein. Das Kind, das sie in ihrem unbefleckten und jungfräulichen Schoß trägt, ist der Sohn Gottes, dem Josef als Adoptivvater den Namen Jesus geben wird. Als der Engel ihn auffordert, nach Ägypten zu fliehen, um dem Zorn des Herodes zu entgehen, gehorcht Josef auf der Stelle. Ebenso bringt Joseph, als der Engel ihm befiehlt, nach Israel zurückzukehren, Jesus und Maria nach Nazareth.

Wird Josef in der Heiligen Schrift schweigend dargestellt, so lässt ihn Therese in ihrem Theaterstück „Die Flucht nach Ägypten“ sprechen. Josef sagt dort zu Maria: „Ist es wirklich wahr, dass ich, der arme Zimmermann Josef, das Glück habe, den König des Himmels, den Retter der Menschen, in meinen Armen zu tragen? Ist es wahr, dass ich den erhabenen Auftrag erhalten habe, der Ziehvater dessen zu sein, der die brennenden Seraphim mit seiner Gegenwart erfüllt und jedem Geschöpf Nahrung gibt? Ist es wahr, dass ich der Bräutigam der Gottesmutter bin, der Hüter ihrer Jungfräulichkeit?“ Und die Jungfrau Maria sagte zu ihm: „Bald wird Jesus erwachsen werden. Du wirst den Schöpfer des Universums lehren müssen, wie man arbeitet. Mit dir wird er sein Brot im Schweiße seines Angesichts verdienen.“ In der Heiligen Familie erfüllte Josef seine Rolle als liebender Familienvater, Ehemann der Jungfrau Maria und Nährvater des Gottessohnes, den er lehrte, ein erwachsener Mann zu werden.

Im März 1886 verließt Therese mit 13 Jahren endgültig die Abteischule ,,Notre-Dame du Pré“, um vom folgenden September an Privatunterricht zu nehmen. Wie bei den Benediktinerinnen erhielt sie Unterrichtseinheiten von Literatur und Geschichte, Grammatik- und Rechenübungen, Diktate und Aufsätze. Unter den letzteren, damals Stilübungen genannt, befand sich ein schöner Text über den „Heiligen Josef“, den Therese im März 1887 schrieb.

Dieser kurze Text enthielt nicht weniger als sechzehn Rechtschreib- oder Grammatikfehler, die Madame Papinau, ihre Lehrerin, zur Verzweiflung gebracht haben müssen. Aber, wie Abbé André Combes an Sr. Geneviève schrieb, ist „Thérèse eine Heilige, bei der selbst die Rechtschreibfehler verehrungswürdig sind. Sie sind Teil ihres „Kleinen Weges!“

In diesem Text über den heiligen Josef findet sich ein kleiner Satz, der sehr „theresianisch“ ist: „Er fand es nie zu schwer, Gottes Willen zu tun“.

„Heiliger Josef! Wer wird es wagen, seine Ehre zu rühmen? Wer wird über sein herausragendes Leben berichten können? Das Evangelium sagt, wenn es von Josef spricht, nur eines: Er war ein gerechter und gottesfürchtiger Mann. Jesus wollte einen geheimnisvollen Schleier über das Leben desjenigen werfen, den er seinen Vater nannte, damit die Taten des heiligen Josef nur für ihn bestimmt waren. Aber durch diesen Schleier hindurch erlaubt uns Jesus dennoch, einige Züge der Größe der Seele des heiligen Josef zu erkennen. Der hl. Josef entsprach immer den göttlichen Gnaden und fand es nie zu schwer, den Willen Gottes zu tun. Was für ein Beispiel des Glaubens gibt uns der heilige Josef! Kaum hatte der Engel ihm gesagt, er solle mit Jesus und Maria fliehen, stand er auf und ging... Sein Leben ist gefüllt mit ähnlichen Handlungen, immer dem Wohlgefallen Gottes gehorchend.

Welche Macht muss der heilige Josef bei derjenigen haben, die er während seines sterblichen Lebens genährt hat... Oh ja! Lasst uns mit Zuversicht zu Josef gehen. Jesus selbst empfiehlt ihn uns, weil er demjenigen nichts abschlagen kann, der während seines Lebens immer versucht hat, ihm zu gefallen.“

Die große Gnade des hl. Josef ist, dass er in Nazareth in der Nähe von Maria und Jesus leben durfte. Die Sendung, die dieser große Heilige für Jesus erfüllte, setzt er nun für die Kirche, den Leib Christi, fort. O gesegneter Josef, du, der du in der Vertrautheit mit Maria und Jesus gelebt hast, hilf uns, unser Leben zu einem kleinen Nazareth zu machen, indem wir jeden Tag unter dem Blick von Jesus und seiner Mutter leben!