Pilgerreise nach Lisieux 2021

 Aufstieg zum Berge Karmel

         

             von fr. Kilian Deppisch

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Diese Pilgerfahrt vom 2. bis 9.8.2021 zur hl. Thérèse nach Lisieux gemacht zu haben, war für mich ein Geschenk der Vorsehung Gottes. Als Priesteramtskandidat einer Gemeinschaft, deren Spiritualität von der hl. Thérèse und der des Karmels geprägt ist, war es mir eine besondere Freude, diese Wurzeln besser kennenzulernen. Vielleicht sind diese Beziehungen zum Karmel der Grund, weshalb mir die Wallfahrt wie ein einzigartiger Aufstieg auf einen Berg vorkommt.

 

Auf unserer Wegstrecke gab es viele Aussichtspunkte, an denen wir kurz hielten und deren Schönheit und Herrlichkeit wir betrachten konnten. Viele der sakralen, oft gotischen Kirchen Frankreichs, die wir zu sehen bekamen, strahlen nicht nur eine innige Schönheit aus, sondern auch den großen Glauben all jener, welche die Errichtung und Erhaltung dieser beeindruckenden Gotteshäuser durch ihre Großzügigkeit ermöglichen. Mir kommen hier beispielsweise neben unserer ersten Station, Notre Dame de L’Epine, die Erscheinungskirche von der Wundertätigen Medaille in der Rue du Bac und Sacre Coeur in Paris, die Kirchen von Caen und Chartres sowie unsere letzten Stationen in den Sinn: St. Remigius und die Kathedrale in Reims.

Wie bei der Bergbesteigung unseres Lebensweges und -berges hin zu Gott sind wir auch auf diesem Pilgerweg nicht alleine gewesen. Noch interessanter als die steinernen Gotteshäuser war es, so viele lebendige Tempel Gottes kennenzulernen: Wir waren unterwegs in Gemeinschaft mit einer Gruppe, die sich anfangs noch kaum kannte, aber durch den gemeinsamen Glauben schnell zusammengewachsen ist. So sind nicht nur Freundschaften entstanden, sondern es wurde auch sichtbar, wie die Kirche durch den Glauben wirklich eine Familie ist und wird. Das fand ich sehr aufbauend und bestärkend.

 

Jede größere Bergsteigergruppe braucht auch einen Bergführer. Unsere Leitung bestand aus einem gut harmonierenden Team: Reiseleiter Peter Kotschwara, geistlicher Begleiter P. Georg und Busfahrer Werner, der im Namen des Bayerischen Pilgerbüros unser fünf Sterne-Reisebus-Flaggschiff selbst durch die engen Straßen von Paris manövrierte. Bei einer Wanderung braucht man auch Verpflegung: Wir kamen in den Genuss der Mahlzeiten in den Unterkünften, der Abendessen in französischen Restaurants oder der Verköstigung auf der Fahrt durch die Bordküche des Reisebusses. Hier will ich kurz allen danken, die mir großzügiger Weise als jüngstem nur schwer zu sättigendes Kind einen Teil ihrer Portionen abgedrückt haben. Vergelt’s Gott!

 

Doch wichtiger noch als die leibliche war die geistige Nahrung: das gemeinsame Gebet, sei es der Rosenkranz, das Stundengebet, die Anbetung oder die hl. Messe. Was besonders half, das familiäre Umfeld der Kirchen Thérèse besser kennenzulernen, waren die Impulse über Thérèses heilige Eltern Louis & Zélie Martin sowie ihre Schwester, die Dienerin Gottes Leonie Martin. Das liturgische Highlight dieser Tage war in der imposanten Basilika in Lisieux, wo wir am Sonntag mit hunderten anderen Gläubigen, vielen Priestern und Ministranten an einer sehr erhebenden und feierlich gestalteten hl. Messe teilnehmen durften.

 

Als wir auf dem Gipfel dieser Reise, in Lisieux, ankamen, blieben wir eine Zeit lang dort, um wie bei einer Bergbesteigung in Ruhe die wunderbare Aussicht besinnlich zu betrachten. Was unser geistiges Auge zu sehen bekam, war vor allem das Leben, die Person und die Botschaft der hl. Thérèse, die uns neben P. Georg und den anderen Priestern auch von Frau Ria Augustijns vom Heiligtum in Lisieux feurig vermittelt wurde. Und dies war für mich zweifellos das größte Geschenk. An ihrer konkreten Lebensgeschichte ihre große Sehnsucht nach Heiligkeit zu erfahren, ihr hingebungsvolles Gebet für die Priester und ihre Liebe zur Kirche war für mich äußerst anspornend und motivierend. Ihre Demut, ihre Hingabe und ihr Vertrauen auf Gott, alles von ihm zu empfangen, sind mir unter die Haut gegangen. Obwohl sie ihre eigene Schwachheit erfahren hat und durch schwere Glaubensprüfungen und Zweifel versucht wurde, hat sie sich nie entmutigen lassen, sondern ist mit umso größerem Vertrauen auf Gottes Hilfe immer weiter gegangen. Es ist offensichtlich Gottes Logik und Gnade, die ihren innigen Wunsch erfüllte, eine große Heilige zu werden, obwohl sie ein verborgenes Leben führte.

 

Ich habe Thérèse als eine mir persönlich besonders nahestehende Heilige erfahren. Sie ist nun neben dem hl. Paulus und der Gründerin meiner geistlichen Familie, Mutter Julia Verhaeghe, in den “Top 3” jener Personen, denen ich am meisten nachfolgen will, um Jesus und Maria ähnlicher zu werden. Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, dass auch Sie eine solche Wallfahrt einmal (wieder) machen können und diesen Berg besteigen. Denn es ist wahr: Man kommt auf dem Berg dem Himmel wirklich näher.