Therese und der Heilige Geist


Jesus hat uns das „Neue Gebot“ gegeben, das darin besteht, zu lieben, wie er uns geliebt hat. Diese Liebe prägt und ist Kennzeichen für alle, die zu Christus gehören. Zu lieben, wie Jesus geliebt hat, ist möglich geworden, weil wir „die Kraft des Heiligen Geistes empfangen" haben (Apg 1,8). Therese von Lisieux gilt als die „Heilige der Liebe“. Ihr Leben, ihre Tugenden, alles in ihr scheint das Werk der Liebe zu sein. Diese Liebe aber wurde entzündet durch die Kraft des Heiligen Geistes, der Therese zu einem Menschen der Liebe geformt hat. ​ Therese durfte am 8. Mai 1884 ihre Erstkommunion empfangen. Es war ein Tag tiefer Vereinigung mit Jesus: „Es war ein Kuss aus Liebe, ich fühlte mich geliebt und sagte ebenso: ‚Ich liebe dich und schenke mich dir für immer.‘" Nur einen Monat später, am 14. Juni, empfing Therese auch das Sakrament der Firmung. Therese spricht in ihrer „Geschichte meiner Seele“ darüber (Ms A 36v): ​ „Mit viel Sorgfalt hatte ich mich darauf vorbereitet, den Besuch des Heiligen Geistes zu empfangen. Ich konnte es nicht begreifen, dass man dem Empfang dieses Sakramentes der Liebe keine größere Aufmerksamkeit schenkte. Normalerweise wurde nur ein einziger Einkehrtag zur Vorbereitung auf die Firmung gehalten. Aber da der Bischof am festgesetzten Tag nicht hatte kommen können, wurde mir der Trost zuteil, zwei Tage in Zurückgezogenheit leben zu können. Ach, wie frohgemut war meine Seele! Wie die Apostel erwartete ich glückselig den Besuch des Heiligen Geistes... Ich freute mich am Gedanken, bald eine vollkommene Christin zu sein, und besonders daran, für immer und ewig das geheimnisvolle Kreuz auf der Stirn zu haben, das der Bischof bei der Erteilung des Sakramentes zeichnet...... Endlich kam der freudige Augenblick. Im Moment der Herabkunft des Heiligen Geistes empfand ich keinen stürmischen Wind, sondern eher jenen sanften Hauch, dessen Säuseln der Prophet Elia auf dem Horeb vernahm ... An diesem Tag erhielt ich die Kraft zu leiden, denn bald darauf sollte das Martyrium meiner Seele beginnen. ... Meine liebe kleine Leonie übernahm das Amt meiner Patin. Sie war so ergriffen, dass sie während der gesamten Zeremonie ihre Tränen nicht zurückhalten konnte. Gemeinsam mit mir empfing sie die heilige Kommunion, denn ich hatte das Glück, mich an diesem schönen Tag erneut mit Jesus vereinen zu dürfen.“ Therese spricht in ihren Schriften nicht oft vom Heiligen Geist. Aber sie lebte ganz aus der Kraft des Heiligen Geistes und das Feuer der Liebe, das in ihrem Herzen bannte, war das Feuer des Heiligen Geistes, der sie verzehrte und ihr Leben zu einer Opfergabe für Gott machte. Den Seminaristen Bellière bat sie in ihrem Todesjahr, täglich für sie folgendes Gebet zu sprechen: „Barmherziger Vater, im Namen unseres gütigen Jesus, der Jungfrau Maria und der Heiligen bitte ich dich, durchdringe meine Schwester mit deinem Geist der Liebe und schenke ihr die Gnade, dahin zu wirken, dass du viel geliebt wirst.“ Und in ihrem Gedicht „Aus Liebe leben“ schreibt sie in der zweiten Strophe: „Aus Liebe leben, das heißt, dich selbst bewahren, unerschaffenes Wort, Wort meines Gottes. Ach, du weißt es, göttlicher Jesus, ich liebe dich. Der Geist der Liebe entflamme mich mit seinem Feuer! Indem ich dich liebe, ziehe ich den Vater an; Mein schwaches Herz bewahrt ihn für immer. O Dreifaltigkeit, du bist die Gefangene meiner Liebe!“ ​ Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es (Nr 736): „Kraft der Macht des Heiligen Geistes können die Kinder Gottes Frucht bringen. Er, der uns dem wahren Weinstock aufgepfropft hat, wird uns ‚die Frucht des Geistes‘ tragen lassen: ‚Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung‘ (Gal 5,22-23). Der Geist ist unser Leben.“ All diese Früchte des Heiligen Geistes sind am Leben der hl. Therese wunderbar sichtbar geworden. ​ P. Georg Gantioler FSO ​ ​